Sozial gerecht, wie geht das?
Haben Sie schon mal von „Gierflation“ gehört?
Die Ökonomin Isabella Weber prägte diesen Begriff kurz nach der Corona-Pandemie und während des beginnenden Angriffs Russlands auf die Ukraine.
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/ezb-inflation-preiserhoehungen-gierflation-100.html
Auch wir kämpften in dieser Zeit mit steigenden Kosten für Energie und Lebensmittel und tun es noch. Vorschnelle Preiserhöhungen kamen für uns jedoch nicht in Frage. Am 1.1.2022 hatten wir unsere Preise für das Kindergartenessen von 3,50 € auf 3,70 € erhöht. Wir entschlossen uns zu Kriegsbeginn dazu, nicht noch einmal zu erhöhen, sondern den größten Posten in der Kalkulation (hochwertiges Fleisch) zu reduzieren, und somit Kosten einzusparen; gleichzeitig dadurch aber auch gesünder (nach DGE-Empfehlung) zu kochen und CO2 zu verringern. Dieses Konzept ist bisher, nachdem die Eltern in von uns begleiteten Elternabenden darüber informiert wurden, erfolgreich. Diesen Preis konnten wir bis zum September, also über 1 ½ Jahre durchhalten, wohingegen unsere Mitbewerber längst deutlich höhere Preise angesetzt hatten. In dieser Zeit stiegen der Mindestlohn, und die weiter steigenden Preise für Rohstoffe und Energie wurden auch für unsere Mitarbeiterinnen belastend. Wir mussten also im September 2023 erneut um 0,20€ erhöhen. Und, nachdem der Mindestlohn dann erneut zum Januar 2025 erhöht wurde, auch im September 2024 wieder um 0,20€ erhöhen. Danach konnten wir auch die Löhne für unsere MitarbeiterInnen etwas anheben.
Ein Essen für ein Schulkind kostet bei uns nun 4,10 €.
Dieser Betrag deckt unsere Kosten. Das ist jedoch nur möglich, indem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Einforderung von weiteren Lohnerhöhungen verzichten, sowie die Mitarbeiter in der Leitung und Verwaltung solidarisch bezahlt werden - also den gleichen Lohn wie die Mitarbeiter in der Produktion bekommen. Vorstand und Leitung bringen außerdem sehr viel ehrenamtliche Arbeit ein, die die Kosten niedrig halten.
Das ermöglicht uns, Produkte zu kaufen, die wir unter anderen Umständen nicht verarbeiten könnten:
Bio-Milch, wenn es Pudding gibt. Bio-Hackfleisch. Ab und zu Bio-Gemüse. Bio-Ei, wenn es ein Eigericht gibt. Bio-Brot. Die Kinder, die unser Essen essen profitieren so also in großem Maß davon, dass wir solidarisch arbeiten! Es wäre leichter für uns, wenn wir großzügigere Löhne zahlen könnten und wir noch mehr und am liebsten ausschließlich Bio-Produkte aus der Region einsetzen könnten – allein, wir können es zu diesem Preis nicht erwirtschaften.
Wir fragen uns, warum wir als Köchinnen, Reinigungskräfte oder Fahrerinnen so wenig gesellschaftliche Wertschätzung erfahren. Wir fragen uns, warum wir nur mit dem Einsatz minderwertiger, unter menschenunwürdiger Bedingungen produzierter, weitgereister Lebensmittel gewinnbringend arbeiten könnten.
Was muss sich in den Strukturen ändern, damit unsere Welt eine gerechtere Welt für alle wird? Auch für Erdbeerpflückerinnen, Metzgerinnen, Reinigungs- und Pflegekräfte oder Näherinnen. Wir glauben daran, dass sich im Kleinen etwas ändern kann, wenn man zusammenhält und Verzicht nicht als überlastend empfindet, sondern als einen Dienst an der Gesellschaft, der die Transformation in eine gerechtere Gemeinschaft vorantreiben kann!
Wir leben diese Transformation.
Mahatma Ghandi sagte:
„Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse aber nicht für jedermanns Gier“
Deshalb finden wir Menschen in unserem Umkreis, mit denen man in diesem Sinne zusammenarbeiten kann, die folgendes beherzigen:
Wann ist Genug eigentlich Genug?
Muss ich als Geschäftsführer/Manager wirklich 232 x so viel verdienen, wie mein Angestellter? (vgl. Post/DHL https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/postchef-verdient-232-mal-so-viel-wie-seine-mitarbeiter-5526814.html)
Wen ich ein Auskommen habe, und Freude am einfachen Leben und ein bisschen Urlaub im Grünen und gesunde Kinder, ist das dann nicht eigentlich genug?
Studie zu Dax-Konzernen: Postchef verdient 232-mal so viel wie seine Mitarbeiter






