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Kita- Schul- und Seniorenverpflegung mit Herz und Verstand

-Wir arbeiten kostendeckend – nicht gewinnbringend !-

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„Was der Bauer nicht kennt…“

…kann ja trotzdem schmecken.

 

Der Verein „Ausbildungsverbund Rhöner Lebensmittel“ kocht für Hilderser Ganztagsschüler / Künstliche Aromen sind tabu

 

Hilders (sli) „Ausbildung mit Herz und Verstand“ lautet der Titel der Informationsbroschüre, in der der Landkreis Fulda als Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön den Verein „Ausbildungsverbund Rhöner Lebensmittel“ vorstellt. Seit diesem Schuljahr versorgt der gemeinnützige Verein die Ulstertalschule in Hilders an drei Tagen in der Woche mit warmem Mittagessen. 


 

Dass auch dies mit Herz geschieht, ist an der Dekoration der Mensa zu erkennen: Kürbisse und Maiskolben auf den Tischen stimmten die Schüler und Lehrer in dieser Woche auf den Erntedanktag ein. Auch die Menüauswahl passte zum Herbst: Da gab es beispielsweise Kürbis-Gnocchi in Salbeibutter, Maiskolben, Grießflammerie mit Holundersoße oder eingelegte Zwetschgen mit Zimtsahne.

 

Mit Verstand kombiniert Köchin Sandra Limpert die Speisen zu einer gesunden und abwechslungsreichen Mischkost. „Das Besondere ist, dass wir komplett auf Aromazusätze, Farbstoffe und Geschmacksverstärker verzichten", betont die Köchin und Restaurantfachfrau. Denn ihr ist es ein Anliegen, den Kindern und Jugendlichen aufzuzeigen, wie schmackhaft unsere natürlichen Lebensmittel sind.

 

Damit hat sie sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt. Nicht nur, dass es zeitaufwändig ist, komplett auf Fertigzutaten zu verzichten. 

Vor allem muss sie erst einmal Skepsis bei ihrer jungen Kundschaft überwinden, die sich dreimal überlegt, ob "Saltimbocca-Röllchen vom Schwein" lecker klingt oder nicht.

 

Eltern kennen diese Gratwanderung. „Wenn Spaghetti Bolognese auf dem Speiseplan steht, haben wir auf einmal 100 Essensbestellungen statt wie sonst 50“, beschreibt die 33jährige. „Aber wir können ja nicht nur Nudeln kochen.“ 

 

Zu jedem Gericht gibt es auf der Speisekarte Erläuterungen. So erfahren die Ulstertalschüler, dass es sich bei Saltimbocca (wörtlich "Spring-in-den-Mund") um eine italienische Spezialität handelt, die eigentlich aus Kalbfleisch und Parmaschinken besteht.

 

In der Ausbildungsküche dagegen wird Rhöner Schinken verwendet und Schweinefleisch vom Hilderser Metzger. Denn die regionale Wertschöpfung zu stärken gehört mit zu der Idee des Ausbildungsverbundes Rhöner Lebensmittel.

 

Dieser Verein wurde 2003 in Hilders von Handwerkern, Gastronomen und Landwirten gegründet, um auch kleineren Betrieben zu ermöglichen, Lehrlinge auszubilden. Dies geschieht, indem mindestens zwei sich ergänzende Unternehmen zusammen einen Ausbildungsplatz zur Verfügung stellen. „Auf diese Weise haben wir seit 2006 32 zusätzliche Lehrstellen geschaffen“, bilanziert Dieter Lomb, Bildungsreferent Handwerk bei der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck. Gemeinsam mit dem Hilderser Gastronom und Obermeister der Fleischerinnung Fulda, Ludwig Leist, hat er das Modellprojekt initiiert und die Kreishandwerkerschaft und die Industrie- und Handelskammer Fulda, den Kreisbauernverband, das Biosphärenreservat Rhön, den Verein Natur- und Lebensraum Rhön sowie die Evangelische Kirche Kurhessen-Waldeck und das Kolpingwerk, Diözesanverband Fulda, als Mitwirkende gewonnen.

 

Zurzeit betreut der Verein acht Auszubildende für die Berufe Koch, Fleischer, Bäcker und Restaurantfachfrau. Ab Januar sollten diese in den „Handwerkerhof Hilders“ wechseln. Doch mit dem geplanten Ausbau dieses Ausbildungszentrums mit Lehrküche und Lehrlingswohnheim konnte bislang nicht begonnen werden, da nach Auskunft Lombs die zugesagten Fördermittel von der Investitionsbank Hessen noch nicht eingegangen sind.

 

Deshalb ist Improvisieren angesagt: Die auswärtigen Auszubildenden sind vorübergehend in Ferienwohnungen untergebracht. Sandra Limpert nutzt die alte Küche des Gasthofes der Familie Leist, um mit dem Koch-Lehrling Leo Rauch für die Ulstertalschüler das Essen zuzubereiten. Wenn Not am Mann ist, springen andere Lehrlinge des Ausbildungsverbundes ein. Selbst gemachte Holundersoße hätte es wahrscheinlich nicht zu den Grießflammerie gegeben, wenn nicht die angehende Restaurantfachfrau Carina Storch, die im Hilderser Hotel Engel lernt, die Beeren gezupft hätte.

 

Ab Januar kommen nicht nur weitere Lehrlinge zum Lernprojekt „Kochen für und mit Kindern“ hinzu, sondern auch neue Aufgaben: Ab dann liefert der Ausbildungsverbund zusätzlich Mittagessen für den Hilderser Kindergarten. 

 

„Für neun Personen würde es hier ganz schön eng“, meint die Küchenchefin. Deshalb hofft sie zusammen mit den Vereinsvorsitzenden Ludwig Leist und Dieter Lomb auf möglichst schnell grünes Licht aus Wiesbaden für den Umbau des Handwerkerhofes. 

 

Einen weiteren Schatten wirft die Insolvenz der gemeinnützigen Bildungsgesellschaft Prisma, die sich für den Ausbildungsverbund engagiert hatte. Deren Ausfall versucht Lomb durch eigenen - ehrenamtlichen – Einsatz abzufedern. Doch nicht nur er steht mit Leib und Seele hinter der Idee, Ausbildungsplätze zu schaffen und zugleich die Rhöner Identität zu stärken. 

 

Auch Sandra Limpert, die bei dem Verein angestellt ist, setzt sich tatkräftig ein. Frische Kräuter zum Würzen oder ab und zu Gemüse bringt sie aus dem eigenen Garten mit und die Holunderbeeren für den Nachtisch hatte sie nach Feierabend selbst gepflückt. „Dass ich Pioniergeist brauche, wusste ich vorher“, sagt sie entschlossen. Sie setzt darauf, dass sich unter den Kindern herumspricht, dass  es in der Mensa auch dann schmeckt, wenn es nicht Pasta oder Pizza gibt.